Offener Brief an Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey
Sehr geehrte Frau Bundespräsidentin
In wenigen Wochen wird in der Vollversammlung der UNO eine Abstimmung über die Anerkennung eines palästinensischen Staates stattfinden. Die Meinungen gehen auch in der Schweiz auseinander – soll das Volk der Palästinenser einen eigenen Staat erhalten oder nicht? Einen Staat, der die heute von Israel besetzten Gebiete der Westbank und das seit fünf Jahren unbesetzte Gaza umfassen soll.
Die Unterzeichnenden dieses offenen Briefes sind in Israel wohnende Schweizer. Wir unterstützen grundsätzlich die Zweistaatenlösung, sogar nach den Erfahrungen, die Israel nach seinem bedingungslosen Abzug aus Gaza gemacht hat. Gaza wurde zur Abschussrampe für Raketen und Ausgangspunkt palästinensischer Terror aktionen, deren Ziel die Zivilbevölkerung Israels ist. Dazu gehören auch wir Schweizer in Israel. Gaza wurde zu einem palästinensisch-jihadistischen Terrorzentrum.
Diese Erfahrung will Israel – also auch wir Unterzeichnende – nicht noch einmal machen. Wir gönnen friedliebenden Palästinensern gerne einen eigenen Staat, er wäre gut für sie und gut für Israel. Doch muss er ein Produkt bilateraler Verhandlungen sein und darf nicht zu einem Zentrum antiisraelischer und antisemitischer Gewalt werden. Palästina muss in Frieden neben Israel leben wollen.
Nicht nur sind die Palästinenser heute nicht in der Lage ein eigenes Staatswesen zu führen. Es fehlen Infrastrukturen. Interner Terror, Korruption und Abhängigkeit von ausländischen Geldquellen sind enorm. Zudem müssen die endgültigen Grenzen dieses neuen Staates, auch wenn sie auf der Grünen Linie des Waffenstillstandes von 1949 basieren, erst durch bilaterale Verhandlungen zwischen Israel und der Palestinian Authority festgelegt werden. Der vorgesehene UNO-Beschluss würde an der Situation nichts ändern – Israel wird auch weiterhin die Westbank besetzen, da es auf ein bilaterales Abkommen mit den Palästinensern bestehen muss. Die Sicherheit der Bürger Israels und des Staates der Juden als Ganzem geht allem anderen vor. Um diese Tatsache kommt jeder Sympathisant palästinensischer Bestrebungen zu einem eigenen Staat nicht herum, es sei denn, er wolle die Existenz Israels gefährden.
Sehr geehrte Frau Bundespräsidentin, wir möchten Sie höflichst bitten, den Antrag auf Anerkennung eines Staates Palästina aus oben erwähnten Gründen und mit dem Hinweis auf bilaterale Verhandlungen nicht zu unterstützen. Wie in der auch von Ihnen unterstützten Genfer Initiative ausdrücklich gefordert, ist eine Staatsgründung oder -ausrufung erst nach abgeschlossenen bilateralen Friedensverhandlungen vorgesehen und nicht vorher.
Wir danken Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und hoffen für unser Anliegen Ihr Verständnis gefunden zu haben.
Im Namen untenstehender Mitunterzeichner
Alexander und Esther Scheiner, Zichron Ya’akov/Israel
Paul Uri und Lea Russak, Zichron Ya’akov/Israel
Die Mitunterzeichner:
Dr. med. Nina und Peter Hurwitz, Kfar Vradim
Anne Aviva Singer, Haifa
Leo und Edith Fromer, Modiin
Jehoshua Russak, Atzmon (West Galiläa)
Izik und Beatrice Neustettler, Zichron Ya’akov
René Kirchheimer, Jaffa
Sarah und Beni Scheiner, Binyamina
Philippe J. Weil, Tel Aviv
Danah und Gil Ne’eman, Binyamina
Dvorith Golub, Eshhar (West Galiläa)
Sharon und Dotan Sela-Scheiner, Binjamina
Adam Russak, Kiriat Motzkin
Doron und Tania Scheiner-Jäckel, Ramat Hanegev
Marcel Hess, alt Grossrat Basel-Stadt, Jerusalem
Roger und Jacqueline Guth, Kfar Saba
Jacques und Monique Korolnyk, Nethanya
Yael Zer-Aviv, Ra’anana
Izchak und Regula Judith Eshkol, Zichron Yaakov
Tamar Eshkol Geva, Zichron Ya’akov
Rafi Siano, Haifa
Joel Richter, Zichron Ya’akov
(Der Brief wurde am 9. September 2011 im jüdischen Wochenmagazin TACHLES publiziert)
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1 Kommentare
Christof G. - 28.09.2011
Dazu meine Frage: Warum torpediert Israel durch die völkerrechtswidrige Fortsetzung des illegalen Siedlungsbau selbst die Basis für ein bilaterales Abkommen ? Zur Zeit sind diese Siedlungen das grösste Hindernis für die Wiederaufnahme von Verhandlungen. Hier steht sich Israel selbst im Weg - und mit der Art und Weise der Umsetzung, welche an totalitäre Staaten erinnert, verspielt es sich wichtige Sympathien in der Welt.
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