Die Geschichte wiederholt sich
Es ist eine traurige und erschreckende Entwicklung die wir zurzeit in Israel erleben.
Die katastrophale Entwicklung der Beziehung zur Türkei ist nur ein Teil eines Plans, der vom Triumvirat Binyamin Netanyahu, Ehud Barak und Avigdor Liebermann ausgearbeitet wurde, um eine gewaltige Eskalation in der Region zu erreichen.
In den Augen der «Drei» handelt es sich nicht um politische Fehltritte, dahinter steht vielmehr eine klare Strategie, die zwei Israelischen Axiome «wir können uns auf niemanden verlassen» und «wir sind von Feinde umzingelt» durch eine erzwungene Realität zu untermauern.
Parallel zu der Verschlechterung der Beziehung zur Türkei, vervollständigen zwei weitere schwerwiegende Ereignisse den Plan der «Drei».
Der geplanter Terrorangriff auf Eilat war dem israelischen Inlandgeheimdienst Shabak seit langem bekannt. Am Abend nach dem Angriff hat der Leiter des Shabak die Armee heftig kritisiert, nicht die notwendigen Massnahmen ergriffen zu haben. Zwar wurde er sofort danach zum Schweigen gebracht, aber die Situation war klar. Die Armee untersteht dem Verteidigungsminister, der Shabak dem Premierminister. Nur die ausdrückliche Anweisung des Verteidigungsminister konnte die Armee davon abhalten, alle möglichen Schritte zu treffen um den Terrorangriff zu vereiteln.
Nicht erstaunlich ist demzufolge, dass bei der folgenden Anhörung im Geheimdienstausschuss der Knesset sowohl der Chef des militärischen Nachrichtendienstes als auch der Chef des Shabak von ihren direkten Vorgesetzten die Anweisung erhielten keine Informationen zu dem Vorfall nach aussen dringen zu lassen. - Sowohl eine schwerwiegende als auch eine einmalige Verletzung der demokratischen Institutionen in Israel.
Bei der Verfolgung der Attentäter von Eilat wurden fünf ägyptische Soldaten getötet. Ob irrtümlich oder nicht, wird wohl nie beantwortet werden können. Es benötigte jedoch die Drohung Ägyptens, ihren Botschafter aus Israel abzuberufen, bevor Israel sich öffentlich entschuldigte. Diese Verspätung reichte völlig aus um die Agitation in Ägypten auf ein Höchstmass steigen zu lassen. Das Resultat dieser kurzsichtigen und überheblichen Politik kann man heute auf den Strassen Kairos beobachten.
Die politische Isolierung Israels und die globale Müdigkeit bezüglich des Palästina-Problems sind auch die Auslöser für die Initiative von Mahmoud Abbas bei den Vereinten Nationen (Uno) die Palästina-Frage zur Abstimmung zu bringen. Er könnte damit durchkommen oder höchstens an einem – temporären - amerikanischen Veto scheitern. Damit wäre aber der Weg für ein unabhängiges Palästina geebnet (spätestens nach der Wiederwahl Barak Obamas).
In den Augen von Netanyahu, Barak und Liebermann wäre dies ein historischer persönlicher Bankrott. Um diesen zu vermeiden, sind in deren Augen viele Mittel erlaubt.
Syrien ist schwach und mit sich selber beschäftigt. Libanon und die Hizbollah haben den direkten Draht nach Damaskus verloren, Ägypten muss seine innere Krise überwinden, Jordanien konzentriert sich darauf, die Islamisten in dem Griff zu bekommen.
Israel steht militärisch in einer sehr vorteilhaften Position. Die einzige Bedrohung für das Triumvirat Netanyahu, Barak, Liebermann sind die Unzufriedenen im eigenen Land. Die Massendemonstrationen der letzten Wochen könnten sie ihren tollen und gemütlichen Job kosten.
Seit nun fünfzig Jahren haben verschiedene israelische Regierungen eine Verschlechterung der Sicherheitslage provoziert, um von innenpolitischen Problemen abzulenken. Und damit wäre auch die Palästina-Abstimmung vom Tisch.
Mit einem militärischen Konflikt wäre der besagte Plan der «Drei» komplett. Die Frage ist, wann wird dieser stattfinden? Israel liebt den Frühling für Kriege (1967, 1982), aber Oktober tut es auch.
Die Geschichte wiederholt sich ständig.
Dov Bar-Gera ist Schweiz-israelischer Staatsbürger und Unternehmer
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